Donnerstag, 4. Januar 2018

Mein erfüllt-es Leben

Ich trieb im warmen Wasser. Es fühle sich herrlich an. In meinem abgedunkelten, warmen Umfeld fühlte ich mich wohl und geborgen. Gedämpft drangen Stimmen und Geräusche zu mir.
Ich spürte wer und was ich bin - Liebe. Und - ich spürte die Anbindung an das große Ganze.
Genüsslich räkelte ich mich und freute mich auf das, was vor mir lag.

In ein paar Monaten würde ich geboren werden. Liebevolle Eltern und eine große Schwester erwarteten mich und sie würden mir den Namen geben, den ich mir ausgesucht hatte. Christian.

Ich wusste was auf mich zukam, denn - ich hatte es mir genau so ausgesucht.
Zugegeben, es würde eine sehr intensive Zeit werden, doch es würde alles das geschehen was vorgesehen war.

Als der Tag kam den ich mir für meine Geburt ausgesucht hatte, machte ich mich auf den Weg. Nun durfte ich wieder die Liebe und das Licht in die Welt bringen, wie schon viele Male zuvor.

Ich bewegte mich in meinem Tempo durch den Geburtskanal.

Als ich an einem verschneiten Februarmorgen das Licht der Welt erblickte begann das Abenteuer Leben - für mich, meine Eltern und meine Schwester.

Liebevoll wurde ich empfangen. Mein Vater hielt meine Hand als der Arzt mich untersuchte. Ich spürte tiefe Liebe und Verbundenheit für den Menschen, der mir dieses Leben geschenkt hatte und ließ ihn auch meine Liebe spüren.

Da ich, aus medizinischer Sicht, ein paar Auffälligkeiten hatte, kam ich für weitere Untersuchungen in eine Kinderklinik.
Dort wurde das erkannt, was ich mir u.a. als Aufgabe mitgebracht hatte.

Ich hatte einen Herzfehler.

Für meine Eltern und meine Schwester begann eine Zeit ihrer größten Herausforderungen und Lernerfahrungen.

Die Ärzte bemühten sich um mich. Mit einem Hubschrauber wurde ich in ein Herzzentrum geflogen, wo umfangreiche Untersuchungen vorgenommen wurden.

Dann - erhielten meine Eltern die Nachricht, die ihr Leben vollkommen verändern würde:
Ich würde nicht lange bei ihnen bleiben können.

Als mein Vater von meinem Zustand erfuhr brach er weinend zusammen.
Meine Mutter hatte das Gefühl in einem Albtraum zu sein und wartete darauf aufzuwachen. Meine dreijährige Schwester konnte nicht verstehen, warum das Baby, auf das sie sich so gefreut hatte, nicht nach Hause kommen konnte. Sie fühlte die tiefe Trauer unserer Eltern, die sie vollkommen verwirrte. Sie fühlte sich alleine gelassen.

Ich wurde, wieder per Hubschrauber, in die Intensiv-Kinderklinik der Heimatstadt meiner Eltern geflogen um dort meine Erdentage zu verbringen und meine Eltern und meine Schwester stark zu machen.
Jeder von ihnen würde seine ganz persöhnlichen Lernerfahrungen durch unsere gemeinsame Zeit ziehen. So war es vorgesehen.

In der Zeit die dann folgte hatten meine Eltern die Möglichkeit mich näher kennen zu lernen, denn bisher hatten wir ja nicht viel Zeit miteinander verbringen können.

Da ich an ein Beatmungsgerät angeschlossen war, eine Magensonde hatte und noch andere diverse Überwachsgeräte meine körperlichen Zustand beobachteten, entschlossen sich meine Eltern mich so meiner Schwester nicht zu zeigen. Sie befürchteten, dass sie der Anblick schockieren würde.

Meine Eltern genossen die Zeit, die wir miteinander verbrachten. Sie streichelten mich und redeten mit mir. Gerne hätte ich ihnen gesagt:
"Seid nicht traurig. So wie es ist, ist es gut und richtig."

Ich schenkte ihnen die Liebe, die auch weiterhin von der Quelle durch mich zu ihnen floss.

Es kam der Tag, an dem ich heimgehen konnte. Zurück zur Quelle.
Ich war 5 1/2 Wochen alt.
Meine Eltern waren bei mir. Meine Mutter hielt mich im Arm und streichelte mich.

Kurz bevor mein Herz aufhörte zu schlagen öffente ich noch einmal die Augen. Ich verabschiedete mich dankbar von diesen beiden wundervollen Menschen mit all meiner Liebe und kehrte dorthin zurück, wo alles eins ist.

Meine Eltern und meine Schwester, jeder von ihnen ging anschließend auf die für sie stimmige Weise mit der Trauer um.

Es brauchte Zeit bis jeder von ihnen für sich das ganz persönlich Geschenk erkennen konnte, welches ich ihnen gemacht habe.


Wenn ihr mich vermisst, ihr Lieben - ich bin immer bei euch.
In euren Herzen brennt die Flamme meiner Liebe. Auf ewig.

Und - liebe Schwester - die vielen Bilder, die du damals für mich gemalt hast - ich habe sie alle gesehen. Und auch wenn wir uns nicht persönlich begegnet sind, so war ich doch immer bei dir und bin es noch.

Ich danke euch für eure Liebe und die Bereitschaft für dieses gemeinsame Erleben.
Wir sehen uns wieder.

In Liebe, Christian







Ó 01/2018  Karin Alana Cimander
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Mittwoch, 20. Dezember 2017

Die Kraft der Gedanken - eine wahre Geschichte

Schneeflocken stoben im Wind und fielen auf den Gehsteig, wo sie kurz darauf schmolzen und sich in Matsch verwandelten.
Aus dunklen, tiefhängenden Wolken hatte es an diesem Januartag immer wieder gescheit und alles in dunkles, tristen Grau gehüllt.
Kerstin ging mit gesenktem Kopf die Straße entlang. Sie war auf dem Weg nach Hause.
Wieder einmal dachte sie an Bianca und ein ziehender Schmerz breitete sich in ihrer Brust aus. Tränen traten in ihre Augen und sie schluckte.

Bianca und sie waren acht Jahre ein Paar gewesen. Ihre Coming Outs hatten ihre bisherigen Leben komplett verändert. Es war eine Zeit voller Herausvorderungen, Zweifel und Ängste gewesen, aber auch eine Zeit voll unbeschreiblicher Liebe und Nähe, die ihnen machmal überirdisch erschien. Eine tiefe Verbundenheit, der es oft keiner Worte bedurfte, ein Gefühl des Einsseins.

Vor neuen Monaten jedoch, hatte sich Bianca von Kerstin getrennt.
Dieses intensive Gefühl des Verbundenseins hatte sie plötzlich geängstigt. Sie hatte das Gefühl gehabt sich in dieser Liebe zu verlieren, nicht mehr Herr über sich selbst zu sein. Und so war sie gegangen.
Für Kerstin war eine Welt zusammen gebrochen.
Sie wollte mit dieser Frau alt werden, und nun ...

Wenn ich jetzt einen Unfall hätte, dachte sie, vielleicht würde Bianca dann ins Krankenhaus kommen und alles wäre wieder gut.
Es gab ja genug Filme mit derartigen Happy Ends.

Doch kaum, dass sie diesen Gedanken gefasst hatte, verwarf sie ihn blitzschnell wieder,  denn - sie wusste, dass Gedanken Realität erschufen!
Ihr war bewusst, dass Gedanken machtvolle Werkzeuge sind.
"Nee, das lassen wir mal lieber," murmelte sie vor sich hin und wandte ihre Schritte in Richtung einer großen Straßenkreuzung.

Die Fußgängerampel zeigt rot und Kerstin betrachtete den fließenden Verkehr. Auf der Straße hatte sich der Schnee in eine unansehnliche, graue Matsche verwandelt, die die Reifen der Autos immer wieder aufwirbelten.

Die Fußgängerampel sprang von Rot auf Grün. Kerstin zögerte kurz, schaute, wohin sie den ersten Schritt setzen sollte, denn sie wollte nicht ausrutschen.
Als sie den Fuß hob um die Straße zu betreten, passierte es:
Ein VW Beatle kam angerast, überfuhr das Rotlicht und raste an Kerstin vorbei.

Schockiert schaute diese dem Auto nach und überquerte dann, wie in Trance, die Straße.
Ihre Gedanken bezüglich des Unfalls fielen ihr ein und sie schluckte hart.
Sie hatte sich fast einen Unfall manifestiert.
Nach ein paar Schritten schaute sie sich, innerlich noch immer vollen aufgewühlt, noch einmal um.
Das, was sie sah, ließ ihr den Atem stocken.
Die Autos warteten immer noch an der roten Ampel.
In dem zweiten Auto saß - Bianca!
Sie wäre, wenn Kerstin vom Auto erfasst worden wäre, dort gewesen!

Ein kalter Schauer lief über Kerstins Rücken.
"Boah", stieß sie hervor.
"Ja, unsere Gedanken erschaffen wirklich unsere Realität. Wir sind die Schöpfer unserer Existenz und dürfen uns dessen immer wieder bewusst sein.", sagte sie, aus tiefster Überzeugung. "Ich darf das echt intensiv verinnerlichen."


Anmerkung: Dies ist eine wahre Geschichte, die sich am 13.01.2005 genauso ereignete. Lediglich die Namen wurden geändert.


Ó 12/2017
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Dienstag, 19. Dezember 2017

Das Schwert des Lichtkriegers - Leseprobe

Amaraan betrat den Sternensaal. Sein  Brustpanzer leuchtete bläulich-weiß im Schein der Kerzen, die in den Wandhalterungen flackerten.
Ein leises Raunen und Flüstern war zu hören, als er an den zu beiden Seiten flankierenden Personen vorbeischritt und sich zum Ende des Raumes begab.

Michael erwartete ihn lächelnd, lässig auf sein Schwert gestützt.
"Amaraan, mein Lieber", empfing ihn der Engel. "Ich habe gehört, du hast erfolgreich die Lichtkriegerschule absolviert."
"Ja, das habe ich", antwortete dieser nicht ohne Stolz. "Ich bin nun bereit als Lichtkrieger zu dienen."

Michael sah in an. "So so, du bist also bereit.", entgegnete er schmunzelnd.

"Die Lichtkriegerschule hat dich lediglich auf das vorbereitet, was nun folgt. Bisher war alles Theorie, nun folgt die Praxis. In der Lichtkriegerschule standen dir besondere Energien zur Verfügung. Ihr habt mit Schutz-, Manifestations- und vielen  anderen Energien gearbeitet. Doch nur das, was du in deinem Herzen verankert hast, wird dir bei dem was nun kommt, dienen. Bist du bereit, Amaraan?"
"Ja, ich bin bereit!", antwortete dieser entschlossen.
"Nun denn, so sei es."
Michael schnipste mit dem Finger und ein grelles Licht blendete Amaraan.

Als er seine Augen wieder öffnete, fand er sich in einem Park wieder. Er schaute an sich herunter.
"Wo ist meine Rüstung?", murmelte er überrascht.
Er trug ein gelbes T-Shirt, Jeans und rote Sneakers.
... 

Ó 12/2017 by Karin Alana Cimander
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Wer ist Fritzi?

Fritzi tobte mit Manuel ausgelassen über den Rasen. Sie kickten sich gegenseitig den Ball zu und schossen dann auf das Tor, als sie am anderen Ende des Gartens die beiden jungen Kirschbäume erreichten, deren Stämme die Torpfosten darstellten.

Fritzi liebte es draußen zu spielen, auf Bäume zu klettern, mit Manuel und anderen Jungen zu raufen, Buden zu bauen, mit Autos zu spielen und ab und zu heimlich ein Feuer zu machen, wenn sie Cowboy und Indianer spielten. Natürlich kannten sie sich aus. Sie wussten, dass eine Feuerstelle immer durch einen Steinkreis gesichert werden musste. Schließlich waren sie Fachleute, was indianische Feuer betraf.

Fritzi`s Eltern schauten den ballspielenden Kindern von der Terasse aus zu.
Die Mutter betrachtete nachdenklich das Treiben der Kinder, denn Fritzi hieß mit richtigem Namen Friederike.
Warum musste sie sich immer wie ein Junge benehmen? Sollte sie nicht eher mit Puppen spielen? Warum trug sie am liebsten Hosen statt Röcke und Kleider?
Was stimmte mit diesem Kind nicht?

"Hach, da lasse ich wohl am Besten schon mal das Badewasser ein, so wie die rumtoben, lohnt sich das gleich. Das Badewasser und die Wanne werden wieder schwarz sein.", seufzte die Mutter und ging ins Haus.
Fritzi´s Vater betrachtete seine Tochter schmunzelnd. Irgendwie war sie der Junge, den er sich immer gewünscht hatte. Na ja, aber eben auch nicht so ganz.

Als Manuel sich verabschiedete um zum Abendbrot nach Hause zu gehen, stürmte Fritzi strahlend, mit erhitzten, roten Wagen, das blonde Kurzhaar verschwitzt, an ihrem Vater vorbei, ins Haus.
Ihre Schuhe waren voller Lehm und Gras. Der Rasen hatte an den Seiten ihrer Kleidung seine Spuren hinter lassen und ihr Gesicht wies dort, wo sie sich den Schweiß weggeputzt hatte Schmutzstreifen auf.
"Boah, Papa, hast du gesehen, das war eben ne richtige Blutgrätsche!", rief sie stolz.

Fritzi fühlte sich super! Das hatte Superspaß gemacht!
Sie stürmte in ihr Zimmer und hinterließ dabei kleine Lehmbrocken und Grasreste auf dem Wohnzimmerteppich. Aus den Augenwickeln sah sie ihre Mutter, die gerade aus dem Bad kam. 
Den Blick kannte sie. Es war eine Mischung aus Missfallen, Entsetzen, Enttäuschung und Unverständnis.
Fritzi´s gute Laune und Freude war schlagartig dahin.

Als sie kurze Zeit später in der Wanne lag, dachte sie wieder einmal über ihre Mutter nach.
Warum ist sie immer böse, wenn ich draußen spiele und das tue, was mich Spaß macht? Warum soll ich immer nen Rock anziehen? Ist doch voll unpraktisch!

Fritzi verstand nicht warum ihre Mutter sie nicht so liebhaben konnte wie sie war. Immer nörgelte sie rum. Sie solle sich endlich mal wie ein Mädchen benehmen
Klar, sie war ein Mädchen, aber - eigentlich fühlte sie sich eher wie ein Junge.

Die Zeit verging und Fritzi versuchte sich irgendwie anzupassen. Mehr Mädchen zu sein - was immer das auch bedeutete.
Was die Kleiderfrage betraf war ihre Mutter inzwischen Kompromisse eingegangen, da Fritzi, wenn sie in der Schule oder zum Spielen einen Rock tragen musste, dieser meinst nur unvollständig oder zerrisen wieder zurück kam. Einen Jägerzaum, beispielsweise zu überklettern, war mit einem Rock auch ziemlich unpraktisch.

Jeden Sonntag gab es jedoch die leidige Rockdiskussion, die meistens mit Tränen endeten und manchmal auch mit einer Ohrfeige, wenn Fritzi sich wehement weigerte.

Und auch die Sache mit der Handarbeit!
Fritzi´s Mutter konnte gut nähen und stricken. Sie konnte nicht verstehen, warum ihre jüngste Tochter diese Begeisterung nicht teilte. Stattdessen nahm diese lieber einen Hammer in die Hand und schaute dem Vater beim Werken zu.

Die Mutter machte sich große Sorgen um ihre Tochter. Was war mit dem Kind nur los?

Als Fritzi zwölf Jahre alt war begann ihr Busen zu wachsen. Das fand sie ganz fürchterlich. Sie besaß einen roten, weiten Pullover, den sie fortan fast ausschließlich trug, um die sichtbar werdende Weiblichkeit zu verbergen.

Die Zeit verging und irgendie ergab sich Fritzi in ihre Rolle, die Rolle einer Frau.
Sie trug jedoch weiterhin nur Hosen und ein fiffiger Kurzhaarschnitt umrahmte das kesse Gesicht.
Die Geschichten mit Junges, wie ihre Schwester sie durchlebte, gab es in ihrem Leben jedoch nicht.
Sie mochte Junges, keine Frage, jedoch eher als Kumpels. Gerne diskutierte sie mit ihnen, beispielsweise über Autos. Sie waren direkter, einfacher und nicht so zickenhaft wie Mädchen und Frauen. Fritzi hasste Gespräche über Kochrezepte oder  die neuste Mode.

Als Fritzi 23 Jahre alt war, inzwischen hatte sie einen Beruf mit handwerklichem Hintergrund erlernt und besaß eine eigene Wohnung, traf sie Manuel, ihren alten Spielkameraden, wieder.
Manuel war inzwischen auch zu einem stattlichen, jungen Mann geworden.
Die alte Vertrautheit war sofort wieder da.
Fortan trafen sie sich häufiger. Fritzi fühlte sich bei und mit ihm wohl. Er war verständnis- und rücksichtsvoll. Nie verlor er ein Wort über ihr Ausssehen und ihre  Art sich sportlich zu kleiden.
Fritzi und er hatten immer noch viele gemeinsame Interessen und es war einfach schön, wenn der bei ihr war.
Aber - liebte sie ihn? Irgendwie ja, aber eher wie einen Bruder.

Manuel umwarb Fritzi und sie ließ es geschehen. Es tat ihr gut. Da war jemand, der sie so mochte wie sie war.
Als Manuel um ihre Hand anhielt, sagte sie JA. Sie wollte nicht mehr alleine sein, sie wollte Kinder haben, eine Familie. Sie wollte ein Leben mit Manuel.

Die tiefe Sehnsucht, die sie manchmal fühlte, dass es da noch mehr gab, verdrängte sie.

Ihre Mutter atmete auf. Hatte sie immer noch befürchtet, dass mit Fritzi etwas nicht stimmte. ...

Manuel war Fritzi´s erster Mann. Er war sehr einfühlsam und liebevoll. Doch so intensive Gefühle, wie sie es sich zwischen Mann und Frau vorstellt hatte, konnte sie mit ihm nicht erleben.
"Naja, die Sache mit dem Sex wird auch überbewertet," sagte sie deshalb zu sich selbst. Da sie jedoch unbedingt ein Kind wollte, wehrte sie Manuel nicht ab, wenn dieser sie liebevoll und leidenschaftlich an sich zog.

Fritzi wurde schwanger und sie bekamen eine Tochter.
Ein neues, aufregendes und schönes Leben als Familie begann. Alles drehte sich um die kleine Nina.
Das Liebesleben zwischen Fritzi und Manuel erlosch, da Fritzi es nicht mehr wollte.

Als die kleine Nina 1 Jahr alt war, überlegte Fritzi wieder etwas für sich selbst zu tun. Nicht nur, kochen, putzen, waschen und Windeln wechseln.

Da sie immer schon sehr sportliche gewesen war, meldete sie sich zu einem Gymnastikkurs an.

Voller Freude fuhr sie zum ersten Training.
Als sie die Halle betrat, blickte die Kursleiterin, die gerade Matten auf dem Boden verteilte, auf.
Fritzi schaute zum ersten Mal in die blaugrauen Augen von Gisa, und - es machte "bähm".
Gefühle, wie sie sie nie zuvor gespürt hatte, durchströmten ihren ganzen Körper.  Sie war geschockt und fasziniert zugleich.

Auf der Heimfahrt versuchte sie ihre Gedanken und Gefühle zu sortieren.
"Ich hab mich in eine Frau verliebt." , sagte sie laut zu sich selbst.
Fritzi stellte sich Gisa´s Gesicht vor. Diese wundervollen Augen, der schöne, geschwungene Mund, die Grübchen auf der Wange, die blonden, kurzen Haare.

Wieder ließ sie dieses wundervoll berauschende Gefühl aufsteigen und plötzlich wusste sie, wer und was sie wirklich war.
Es war, als wäre sie aus einem hundert Jahre währenden Schlaf erwacht.

Als Gisa und sie sich das erste Mal liebten, wusste Fritzi, dass sie ihr ganzen Leben unbewusst auf diesen Moment gewartete hatte.

Sie war endlich bei sich selbst angekommen.





Ó 12/2017
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Montag, 18. Dezember 2017

Spezialauftrag Luzifer


Luzifer saß im Ohrensessel und betrachtete das Kaminfeuer.

Die Holzscheite knackten und kleine Funken stiegen auf. Immer wieder formten die Flammen neue Figuren, die auf den Scheiten tanzten und den Raum mit Wärme erfüllten.


Luzifer wartete. Er hatte um ein Gespräch mit dem Chef gebeten.

Es war nun viele Tausend Jahre her, dass Gott ihn zu sich gerufen hatte.
"Luzifer", hatte er zu dem Engel gesagt, "ich habe einen Spezialauftrag für dich. Die Menschen wollen erfahren, was es bedeutet einen freien Willen zu haben. Sie wollen lernen, was Dualität bedeutet, damit sie begreifen können, das alles zusammenhängt, alles Eins ist. Dass es ohne das Eine, das Andere nicht geben würde. Ohne Hell kein Dunkel, ohne Warm kein Kalt, und so weiter. Dieser Spezialauftrag, lieber Luzifer, ist sehr wichtig. Die Entwicklung der Menschen ist nicht nur für sie, sondern auch für uns von großer Bedeutung. Traust du dir das zu?"

Der Engel war begeistert und dankbar gewesen, dass Gott ihm eine so wichtige Aufgabe übertrug.
"Chef, ich gebe mein Bestes," hatte er geantwortet, ohne zu ahnen, dass dieser Auftrag eine große Herausforderung werden würde.

Mit ein paar Instruktionen im Gepäck war er, voller Zuversicht zur Erde gereist. Er würde den Menschen helfen zu erkennen, was es bedeutete Licht und Liebe zu erfahren und - zu leben! Denn er war ja Liebe! Das konnte ja nicht so schwer sein, hatte er vermutet.

"Ohne Dunkel kein Hell", murmelte er, als der durch die Gassen eines Dorfes ging und sich umschaute. Die Idee, die ihm kam, fand er grandios und er setze sie sofort um.

Der Himmel verdunkelte sich. Große, schwarze Wolken zogen auf und es fing heftig an zu regnen. Die Menschen flüchteten in die kleinen Häuser um sich vor dem Unwetter zu schützen. Luzifer ließ es drei Stunden regnen und stürmen.
Dann - riss der Himmel auf und die Sonne strahlte hell und wundervoll am wolkenlosen Firmament.

"Sicher werden die Menschen sich jetzt über die wundervolle Sonne freuen, das Licht sehen und es genießen", mutmaßte der Engel.
Wie erstaunt war er jedoch, als sich die Menschen nicht über die Sonne und das Licht freuten, sondern sich über das Unwetter beschwerten und schlechte Laune hatten.
Die Bauern jammerten, dass jetzt möglicherweise ihre Ernte gefährdet sei. Sie konnten nicht erkennen, dass genau dieser Regen, in Verbindung mit den Sonnenstrahlen, ein Segen für ihre Felder war.
"Hmm, das wird schwieriger als gedacht", murmelte er. "Sie können die Zusammenhänge nicht wahrnehmen."

Nachdem er einige Zeit auf der Erde verbrachte habe, war ihm klar:
Es liegt an ihrem Fokus. Sie beschäftigen sich mehr mit DEN Dingen, die sie NICHT wollen. Sie leben gedanklich und emotional in der Vergangenheit und hoffen, dass ihnen in der Zukunft nicht das Gleiche gschieht. Sie beschäftigen sich immer mit dem, was sie vermeiden wollen.
Sie verstehen nicht, dass sie ohne Dunkelheit kein Licht wahrnehmen können, ohne Kälte keine Wärme, ohne Traurigkeit keine Freude.
Ihnen ist nicht bewusst, dass sie, indem sie sich auf etwas konzentrieren, dieses in ihr Leben ziehen. Egal, was es ist. Sie bewerten und trennen, können nicht wahrnehmen, dass alles Eins ist.
Fast niemand kann das erkennen und lebt im Hier und Jetzt. Mit Außnahme der Kinder. Die kleineren von ihnen, die noch intensiv mit dem Chef verbunden sind, spüren es noch.

Viele Tausend Jahre bemühte sich Luzifer den Menschen Gottes Licht und Liebe zu zeigen, indem er sie in Situationen begleitete, wo sie den Unterschied wahrnehmen konnten. Er sah die kleine Flamme der Liebe und des Lichts in ihnen, hatte jedoch den Eindruck, dass diese nicht größer wurde.

Inzwischen kannten die Menschen seinen Namen. Viele behaupteten, dass er für alles Negative, Schlechte und Böse verantwortlich sei. Sie dichteten ihm Hörner, einen Schwanz  und Pferdefuß an. Sie sahen ihn nicht als was, was er war, - einen Engel Gottes und des Lichtes. Für sie war er der Feind allen Lebens.

Obwohl Luzifer das trauig stimmte, ließ er in seinen Bemühungen nicht nach. Er hatte so viel Liebe in sich und wollte diese mit den Menschen teilen. Und - ab und zu hatte er das Gefühl, ein kleiner Funke würde entfacht.
Ein paar Wenige hatten es inzwischen verinnerlicht und konnten das Göttliche wieder  wahrnehmen. Sie lebten jeden Tag in Dankbarkeit für alles und jeden, erkannten, dass es nicht Schlechtes gab, sondern alles einem Plan folgte. Sie wussten inzwischen, dass ihre Gedanken ihre eigene Realittät erschufen. Sie konnten die Verbindung zu Gott und allem was ist, wieder spüren.
Aber reichte das? Luzifer zweifelte. Hatte er versagt? Er wollte Klarheit!

Nun also saß er am Kamin und wartete auf den Chef.

Als dieser die Türe öffnete und ihn hineinbat, wurde das Kaminzimmer von einem Licht und einer Liebe durchflutet, wie sie Luzifer schon lange nicht mehr erfahren hatte.
Gott lächtete ihn liebevoll an.
"Nun, mein lieber Luzifer, wie ist es dir auf der Erde ergangen?"
"Tja weißt du, ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich meinen Auftrag bisher erfüllen konnte", antwortete dieser und berichtete ausführlich.

Gott sah ihn einen Moment nachdenklich an.
Dann antwortete er liebevoll:
"Für deinen Aufenthalt auf der Erde war es wichtig, dass du verstehst, was die Menschen bewegt, was sie fühlen. Deshalb hast auch du die Dualität erfahren, allerdings in abgeschwächter Form. Deine Zweifel, ob du versagt hast, entstammen dieser Energie.", schloss er zwinkernd.
Freundschaftlich legte er seinem Arm um Luzifers Schulter.
"Komm´ mit, ich möchte dir etwas zeigen", forderte er den Engel auf.
Sie gingen in einen Nebenraum, in dem ein riesengroßer Monitor die komplette Wand bedeckte. Auf einer Weltkarte leuchteten viele kleine Punkte. Immer wieder kamen neue hinzu. Einige von ihnen strahlten plötzlich heller und wurden größer.
"Das, mein Lieber, ist dein Werk.", erklärte Gott und ließ seine ausgestreckte Hand über die Wand schweifen. "Jedes Licht ist eine von dir berührte Seele, in der du den Funken der Liebe und des Einsseins entfacht hast. Und wie du siehst werden es immer mehr. Inzwischen entfachen sie sich sogar gegenseitig. Du siehst, dein Bemühen war keinesfalls erfolglos, im Gegenteil. Bald werden alle Lichter entfacht sein. Sie werden sich nicht mehr getrennt von mir fühlen und nur noch aus Liebe heraus handeln."
Dankbar umarmte Gott den Engel. Eine wundervoll, kraftvolle Liebe, die alle Zweifel verblassen ließ, durchströmte Luzifer.

Er schaute auf den Monitor, auf dem immer mehr Lichter geboren wurden, und eine tiefe Liebe und Dankbarkeit für sein Tun durchströmte ihn.




Ó 12/2017
Bild: pixabay.com

Sonntag, 17. Dezember 2017

Hopper, das Rentier


Hopper war einer kleiner Rentierjunge. Seinen Namen hatte er bekommen, weil er  immer wieder einfach voller Lebensfreude mit allen Vieren senkrecht in die Luft sprang, was für Rentiere nicht unbedingt üblich ist.


Die anderen Rentiere fanden das teilweise schon recht merkwürdig. Besonders die alten. Sie verstanden nicht, warum er sich nicht einfach "normal" verhalten konnte.

"Wenn du dich nicht anständig benehmen kannst", pflegte sein Großvater zu sagen, "wirst du nie den Schlitten des Weihnachtsmann ziehen dürfen." 

Dann schüttelte er immer seinen Kopf mit dem mächtigen Geweih und drückte damit sein Unverständnis aus.

Hopper verstand nicht, was der Großvater meinte.
Was meinte er mit NORMAL und ANSTÄNDIG?
Was machte er falsch?
Warum war es nicht richtig zu springen und sich einfach zu freuen, wenn ihm danach war? Was war falsch daran er selbst zu sein? Hopper eben.

Zum Glück gab es Sunny, seine fast gleichaltrige Freundin. Mit ihr konnte er über die Wiesen toben und so sein, wie er war. Sie schaute ihn nie komisch an, wenn er seine Sprünge machte.

Die Zeit verging und Hopper wuchs zu einem stattlichen Rentiermann heran. Er war stark, stärker als die anderen jungen, erwachsenen Rentiere. Doch seine "Macke", wie die Anderen es nannten, hatte er immer noch. Noch immer sprang er senkrecht in die Luft, wenn ihn Freude überkam. Er konnte einfach nichts dagegen tun.

Es kam die Zeit in der der Weihnachtsmann die Rentiere für seinen Schlitten aussuchte. Die jungen Rentierburschen buhlten um seine Gunst und präsentierten ihre Stärke und Ausdauer.
Hopper hielt sich im Hintergrund. Er konnte sich nicht vorstellen, das er ausgewählt  würde, mit seiner "Macke"?

Nachdem der Weihnachtsmann sechs Rentiere erwählt hatte, eines von ihnen war Sunny, schaute er weiter in die Runde. Es fehlte noch das Leittier, das ganz vorne am Schlitten laufen sollte. Sein Blick wanderte zu Hopper und er lächelte.
"Hopper, komm bitte zu mir," bat er diesen. Das Rentier war sehr überrascht. Er ging zögerlich auf den Weißbärtigen zu. Die anderen Rentiere warfen sich verständnislose Blicke zu. Was wollte der Weihnachtsmann von dem Freak?
"Hopper, möchtest du bei meiner nächsten Fahrt vorne im Gespann laufen und meinen Schlitten mit ziehen?", fragte der Weihnachtsmann den vollkommen erstaunten Rentiermann.
"Ja, gerne ... aber, aber ... meine Macke ...", stotterte dieser.
"Das ist ok mein Lieber." Lächelnd stich ihm der Weihnachtsmann über das flauschige Fell.
Lautes Raunen ging durch die Rentiergruppe,  ihr Unverständnis zum Ausdruck bringend.
Hopper war überglücklich, -  aber auch nachdenklich.
Würde das gutgehen? Würde er die Anderen mit seinen unkontrollierbaren Sprüngen nicht in Gefahr bringen?
Aber - der Weihnachtsmann vertraute ihm.
"Dann sollte ich mir auch Vertrauen", dachte er.

Die Zeit verging und der Heilige Abend kam näher. Die Schnittenrentiere hatten fleißig trainiert und es stellte sich heraus, das Hopper ein gutes Leittier war. Aber seine Sprünge stellten für das Gespann immer wieder eine Herausforderung dar. Sie waren zwar seltener gewordern, aber wenn er sprang, riss er die Anderen immer mit in die Höhe und der Schlitten wurde durchgeschüttelt.
Einige der anderen Rentier befürchteten, dass sie dadurch Geschenke verlieren würden und hatten kein guten Gefühl, wenn die an den 24.12. dachten.
Der Weihnachtsmann jedoch, vertraute Hopper weiterhin.

Der Heiligabend kam und die Elfen luden die Geschenke in den Schlitten. Die angeschirrten Rentiere waren aufgeregt und freuten sich, dass es endlich losging.
Der Weihnachtsmann bestieg den Schlitten und rief:
"Glöckchen, Sunny, Möhrchen, Rudolf, Träumer, Wölkchen, Hopper. Los geht´s! Lasst uns zu den Kindern reisen."

Die Rentiere zogen an und mühelos erhob sich der Schlitten in die Luft.
Die Welt zog unter ihren vorbei.
Ihr erstes Ziel war eine abgelegende Siedlung in einer Schneelandschaft.
Der Schlitten glitt tiefer und tiefer. Als sie landen wollten, passierte es.
Sie rutschen von einer schneebedeckten Eissfäche direkt in eine riesengroße Schneewehe. 
Der Schlitten und auch die Rentiere stecken fest und drohten bei jeder Bewegung abzurutschen und vom Schnee begraben zu werden.
Der Einzige, der ein wenig festen Boden unter den Hufen hatte war Hopper.
"Ruhig, bleibt ganz ruhig", versuchte der Weihnachtsmann alle zu beruhigen.
 Dann schaute zum Leittier und rief:
"Hopper, zieh` uns heraus!"
"Wie soll das gehen?", antwortete dieser verzeifelt.
"Mach deinen Sprung", motivierte ihn der Weihnachtsmann.
"Das geht so nicht. Das spassiert immer spontan. Ich steuer es ja nicht.", gab das Rentier hilflos zurück.
"Ich glaube an dich Hopper. Du schaffst das! Denke an etwas, dass dir große Freude gemacht hat, dann klappt das schon."
Hopper versuchte sich zu beruhigen. Er dachte nach und plötzlich fiel ihm eine Situation ein, in der er sehr glücklich gewesen war. Sunny hatte ich gelobt, als er einen superhohen, tollen Sprung gemacht hatte!
Hopper lächelte - und - sprang, wie noch nie zuvor.
Mit seinen starken Muskeln riss er das Gespann in die Höhe, dass, als es frei war, den Schlitten aus der Schneewehe zog.

Sie landeten ein Stück weiter auf festem Boden und verschnaufen erst einmal.
Der Weihnachtsmann ging zu Hopper und streichelte ihm sanft über die Nüstern.
"Danke", sage er ,"das hast du gut gemacht. Ich wusste, dass es gut ist dich dabei zu haben. Deine Gabe hat uns gerettet."
"Meine - GABE?", fragte das Rentier erstaunt.
"Ja, deine Gabe. Jeder von uns hat eine. Doch leider wird sie oft nicht als solche erkannt, wird beschimpft oder belächelt und wir vergessen sie. Jeder sollte jedoch seine Gabe leben, egal, was andere sagen. Denn - sie ist ein Geschenk - für uns - und andere."



Ó 12/201                                   
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Samstag, 16. Dezember 2017

Fabian - nicht nur eine Weihnachtsgeschichte

Fabian saß auf der Fensterbank und schaute in den Hof hinunter.
Es schneite seit dem frühen Morgen und inzwischen war der Boden vollkommen vom weißen Flockenteppich bedeckt. Die Eiskristalle funkelten im Sonnenlicht.

Die anderen Heimkinder tollten ausgelassen im Schnee herum. Ein paar von ihnen rollten immer größer werdende Kugeln durch den Schnee um einen Schneemann zu bauen. Andere machten eine Schneeballschlacht und kreischten, wenn sie von den kalten Kugeln getroffen wurden.

Fabian seufzte.
Er hatte keine Lust mit den Anderen zu spielen. Nicht das seine Beinschiene, die er schon Zeit seines Lebens trug ihn daran hindern würde. Zugegeben, er war nicht so schnell und beweglich wie die Anderen, aber das war es nicht.

So lange Fabian denken konnte hatte er im Heim gelebt. Woher er genau kam wusste niemand. Man hatte ihn als Neugeborenen in einer Babyklappe abgelegt.
Nun stand für ihn das siebte Weihnachtsfest vor der Tür. Morgen war Heiligabend und er würde wohl auch diesen wieder hier im Heim verbringen.

Er wusste zwar nicht wie das ist, aber er wünschte sich sooo sehr eine Familie, -
Eltern -  die ihn liebhatten, die ihn in den Arm nahmen, wenn er sich weh getan hatte oder traurig war.

Schon oft waren Ehepaare im Heim gewesen und auf ihn aufmerksam geworden, - den hüpschen Jungen mit den blonden Locken und den strahlend blauen Augen. Doch sobald sie seine Beinschiene gesehen hatten, waren sie zurück gewichen und hatten sich für ein anderes Kind entschieden, das dann, nach ein paar Tagen, glücklich strahlend mit ihnen das Heim verließ.

Fabian seuzte erneut.
Vor ein paar Tagen waren ein Mann und eine Frau ins Heim gekommen, die einen Jungen adoptieren wollten. Der Mann hatte, wie Fabian, blonde Locken. Das Paar war sofort auf Fabian aufmerksam geworden. Sie hatten mit ihm geredet und sich als Sam und Isabell vorgestellt. Sie hatten mit ihm gespielt und es fühlte sich schön an, und - irgendwie - auch vertraut. 
Doch er merkte, wie sie immer wieder auf seine Beinschiene schauten und sich Blicke zuwarfen.
Fabians Mut war wieder gesunken - denn - das kannte er ja schon.
Sie würden nicht wiederkommen, da war er sich sicher. Niemand wollte einen Krüppel wie ihn.
Und es schmerzte ihn, wenn er an das Gefühl der Vertrautheit dachte, das er mit ihnen erlebt hatte.
Tränen kullerten über seine Wangen und tropften auf die Fensterbank.
Schniefend und putze er sich mit seinem Pulloverärmel die Nase.

Er versuchte den Schmerz, der seine Brust zu sprengen drohte, wegzuschieben und rutschte von der Fensterbank.
"Vielleicht sollte ich doch runter zu den Anderen gehen", sagte er leise zu sich selbst und zog sich Stiefel, Jacke, Mütze und Handschuhe an.
Auf dem Weg zum Hof dachte er an Morgen.

Morgen war Heiligabend.
Es würde leckeres Essen geben.Gemeinsam würden sie in der Empfangshalle am großen Weihnachtsbaum singen unter dem für jedes Kind immer ein Geschenk lag.
Ansschließend konnten sie lange spielen, denn sie mussten an diesem Tag nicht so früh schlafen gehen.

Inzwischen hatte Fabian die Eingangshalle erreicht und wandte sich der Hoftüre zu, als die Haustürklingel ertönte. Neugierig blieb er stehen und beobachtete, wie der Heimleiter, Herr Adams öffnete.

Staunend riss Fabian die Augen auf und sein Unterkiefer klappte herunter.

Sam und Isabell betraten die Eingangshalle. Als sie ihn sahen kamen sie lächelnd auf ihn zu. Herr Adams folgte ihnen schmunzelnd.
Isabell ging vor Fabian in die Hocke.
"Hallo Fabian", sagte sie, "ich hoffe, du hast nicht gedacht, dass wir dich vergessen haben. Wir möchten dich etwas fragen. - Sei aber bitte ganz ehrlich zu uns. - Möchtest du zu uns kommen? Wir möchten gerne deine Eltern sein, wenn du magst."
Fabian hatte einen Kloß im Hals und konnte nur nicken.
"Ja gerne", brachte er noch krächzend hervor.
Isabell breitete ihre Arme aus und drücke ihn an sich. Das fühlte sich wundervoll an. Es war warm und weich.
Nun beugte sich auch Sam zu Fabian herunter und hob ihn hoch. Auch das fühlte sich toll an. Stark und geborgen.

Nachdem Fabian seine Sachen mit Hilfe von Isabell gepackt und er sich von allen verabschiedet hatte, saß er mit seiner neuen Mutter auf dem Rücksitz des Autos, das Sam sicher durch den Abendverkehr lenkte.
Fabian schielte immer wieder zu Isabell hin.
"Hast du gedacht, wir würden nicht mehr wiederkommen?", fragte sie ihn plötzlich.
Fabian nickte. "Bisher war es immer so", antwortete er leise mit gesenktem Blick. "Immer wenn die Leute meine Beinschiene gesehen haben, wollten sie mich nicht mehr", fuhr er weiter traurig fort.
Isabell drehte sich zu ihm und schaute ihm direkt in die Augen.
"Fabian, du bist ein toller Junge. Das haben wir sofort gemerkt. Und deine Beinschiene ist ein Teil von dir. Auch sie hat dich zu dem tollen Jungen gemacht, der du bist."
Sam am Steuer nickte zustimmend.
Fabian verstand nicht so ganz, was sie damit meinten, aber es fühlte sich ehrlich und gut an. Dankbar lehnte er seinen Kopf gegen Isabells Arm.

Im Haus der Schürmanns angekommen, so hießen Isabell und Sam nämlich,  gab es für Fabian die nächste, große Überraschung.

Als Sam die Haustüre öffnete, wurden alle Drei freudig von einer mittelgroßen  Promanadenmischung begrüßt, die Fabian sofort durchs Gesicht leckte.
"Das ist Buddy", sagte Isabell lächelnd und beugte sich zu dem Hund hinunter, der sich sofort auf die Seite legte und bereitwillig kraulen ließ.
Und da sah Fabian es.
Buddy hatte nur drei Beine!
Isabell sah Fabians erstauntes Gesicht und lächelte.
Dann schaute sie ihm direkt in die Augen und sagte mit sanfter Stimme:

"LIEBE achtet nicht auf Äußerlichkeiten. Sie berührt Herzen und verbindet sie."






Ó 12/2017 by Karin Alana Cimander                                    
Bildquelle: pixabay.com

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Ich trieb im warmen Wasser. Es fühle sich herrlich an. In meinem abgedunkelten, warmen Umfeld fühlte ich mich wohl und geborgen. Gedämpft d...